Steuerexpertin Constanze Elter macht Freiberufler fit fürs Finanzamt

Im vergangenen Jahr haben so wenige Menschen in Deutschland ein Unternehmen gegründet wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Nach den jüngsten Angaben der staatlichen Förderbank KfW wagten 2012 nur 775.000 Menschen den Sprung in die Selbständigkeit. Die Gründe für die rückläufigen Zahlen sind vielschichtig. Immer wieder jedoch werden bürokratische und steuerliche Hemmnisse angeführt, die gegen eine Gründung sprechen.

Wer ein Gewerbe anmeldet, kann sich in der Regel durch die Industrie- und Handelskammern beraten lassen. Freiberufler wie Journalisten, Ingenieure, Krankengymnasten oder Architekten sind dagegen häufig auf sich allein gestellt. Dabei sind die Regeln und Ausnahmen von Einkommen- und Umsatzsteuer, Einnahmen-Überschuss-Rechnung und Betriebsausgaben gerade für Anfänger nicht leicht zu durchschauen. Wie sieht eine korrekte Rechnung aus? Welcher Umsatzsteuersatz muss angewendet werden? Wie können Reisekosten oder das Home Office steuerlich geltend gemacht werden? So trocken die Materie auch ist, um diese Fragen kommt kein Selbständiger herum.

Der neue Ratgeber „Freiberufler. Fit fürs Finanzamt“ erklärt anhand vieler Praxisbeispiele die wichtigsten Regeln für die korrekte Buchhaltung und Steuererklärung. Autorin und Steuerjournalistin Constanze Elter (geb. Hacke) hat für dieses Buch mit Steuerberatern zusammen gearbeitet und zahlreiche freiberufliche Kollegen interviewt. Entstanden ist ein leicht verständlicher Wegweiser durch den Steuerdschungel mit vielen Checklisten und Vorlagen für den Steuer-Alltag des Freiberuflers. Die beiliegende CD-ROM hilft bei der betriebswirtschaftlichen Analyse.

Autorenwebsite von Constanze Elter

Constanze Elters Steuer-Blog

Constanze Elter (geb. Hacke) arbeitet in Köln als Steuerjournalistin, Dozentin und Moderatorin für Hörfunk, Printmedien, Fachverlage, öffentliche Auftraggeber und Unternehmen. Seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich selbständig, hat sie sich unter dem Motto „Steuern – leicht gemacht!“ vor allem im Bereich Steuern als Expertin einen Namen gemacht. Weitere thematische Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in den Bereichen Recht, Finanzen, Mittelstand und Wirtschaftspolitik.

2011 erschien ihr Buch „Selbstständig und dann? Wie Freiberufler langfristig erfolgreich werden“. 2006 hat sie das Handbuch „Treffpunkt Text: Das Handbuch für Freie in Medienberufen“ herausgegeben.

Ihre Fachkenntnisse und praktischen Erfahrungen gibt die Fachjournalistin auch an andere Freiberufler weiter: In punkto „Unternehmen Frei“ hat Constanze Elter für zahlreiche Anbieter Seminarkonzepte entwickelt und in den unterschiedlichsten Formen umgesetzt – vom Vortrag über Podiumsdiskussionen bis hin zu Onlineworkshops, Seminarreihen und Lehraufträgen.

Constanze Elter ist ausgebildete Rundfunkjournalistin und Inhaberin der Firma „Steuern – leicht gemacht!“. Sie arbeitete sechs Jahre lang in aktuellen Hörfunk- und Fernsehredaktionen – beim WDR, beim Bayerischen Fernsehen und schließlich mehrere Jahre beim Deutschlandfunk –, bevor sie sich Anfang 2002 selbständig machte. Für ihre Arbeit wurde Constanze Elter mit dem BdSt-Journalistenpreis des Bunds der Steuerzahler in der Sparte Hörfunk ausgezeichnet.

Interview mit Steuerexpertin Constanze Elter

In Ihrem Ratgeber „Freiberufler. Fit fürs Finanzamt“ beschreiben Sie sich selbst als „Buchhalterseele“. Ist diese Veranlagung angeboren oder woher kommt diese Liebe zu Abrechnungen und Ordnungssystemen?

Ob sich solche Talente vererben, weiß ich offen gestanden nicht. Prägend war sicherlich die Arbeit meiner Mutter, die viele Jahre lang ein kleines Geschäft hatte. Oft saßen wir am Wochenende zusammen und ich habe ihr beim Führen des Kassenbuchs über die Schulter geschaut – oder ihr bei der Abrechnung geholfen. Sie war es auch, die schon seit der Schulzeit versucht hat, mir Zahlen näher zu bringen.

Wenn Sie sich einmal an Ihren eigenen Start in die Selbständigkeit erinnern, was würden Sie heute rückblickend anders machen?

In finanzieller Hinsicht würde ich gar nichts anders machen: Buchhalterisch habe ich darauf geachtet, meine Aufträge vertragsfest zu gestalten; ich habe alles durchkalkuliert und aus den Zuschüssen, die ich bekam, Rücklagen gebildet.

Was ich allerdings mehr in den Blick nehmen würde, ist das Thema Spezialisierung. Eigentlich war mir von Anfang an klar, dass Steuern „mein“ journalistisches Alleinstellungsmerkmal sind. Trotzdem habe ich links und rechts des Weges nach Themen geschaut und viele Aufträge angenommen, die eigentlich gar nicht zu meiner Spezialisierung passten. Das würde ich heute fokussierter angehen.

In Seminaren und Workshops geben Sie Ihre Fachkenntnisse an andere Freiberufler weiter. Aus Ihrer Erfahrung: Was bereitet den meisten Freiberuflern in Steuerangelegenheiten die größten Schwierigkeiten?

Die Übersicht über die komplexen Steuervorschriften zu behalten, ist erfahrungsgemäß die Aufgabe mit den höchsten Hürden. Dazu kommt, dass so mancher Freiberufler ungesundes steuerliches Halbwissen im Internet recherchiert, das zum Teil möglicherweise veraltet oder von Dritten falsch weitergegeben wird. Dann heißt es oft „Kollege X hat gesagt, ich könnte viel mehr Steuern sparen – das geht doch sicher, oder?“ Darüber hinaus ist die Frage, welcher Umsatzsteuersatz unter welcher Voraussetzung gewählt werden muss, ein Thema, das vor allem kreativ tätige Freiberufler immer wieder beschäftigt.

Das deutsche Steuerrecht gilt als sehr kompliziert und für den Laien kaum zu durchschauen. Wenn Sie entscheiden könnten: Welche Regelungen würden Sie sofort abschaffen oder ändern?

Im Einkommensteuerrecht würde ich viel stärker pauschalisieren und Ausnahmen streichen. Mehr Pauschalen bedeutet zwar weniger individuelle Gerechtigkeit, aber dafür auch weniger Bürokratie – und damit weniger Buchhaltungsarbeit für Selbständige.

Ihr ultimativer Tipp für kreative Chaoten und Buchhaltungsmuffel:

Machen Sie sich klar, dass die Beschäftigung mit Zahlen kein Selbstzweck ist. Je tiefer Sie in die Materie einsteigen und je mehr Sie sich damit befassen, desto klarer wird das wirtschaftliche Bild Ihres Unternehmens für Sie.

  

10 Finanztipps für Freiberufler von Constanze Elter

  1. Oft werden Aufträge auf Zuruf erteilt. Dennoch ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Auftraggeber und -nehmer ratsam, um im Streitfall abgesichert zu sein. Um ganz sicher zu gehen, sollten Freiberufler Aufträge selbst schriftlich bestätigen.
  2. Bei Rechnungen müssen zahlreiche Pflichtangaben beachtet werden. Ein zentraler Punkt ist die „fortlaufende“ Rechnungsnummer, die immer nur einmal verwendet werden darf. Alles andere bleibt dem Unternehmer überlassen. „Fortlaufend“ bedeutet also weder lückenlos noch der Reihe nach.
  3. 19, 7 Prozent oder gar keine Umsatzsteuer – welcher Steuersatz für welche Leistung gilt, ist nicht in allen Fällen leicht zu entscheiden. Im Zweifelsfall jedoch nicht „sicherheitshalber“ immer 19 Prozent auf die Leistungen aufschlagen, sondern lieber beim Finanzamt nachfragen!
  4. Freiberufler dürfen im Unterschied zu Gewerbetreibenden immer eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung Sie dürfen jedoch auch die Bilanzierung wählen, ein Schritt, der wohlüberlegt sein sollte und immer nur zu Beginn eines Jahres möglich ist. Auf jeden Fall einen Fachmann hinzuziehen!
  5. Freiberufler können sämtliche Ausgaben, die für den Betrieb notwendig sind, von der Steuer absetzen. Aber investieren, nur um Steuern zu sparen, lohnt sich nicht. Faustregel: Um einen Euro zu sparen, muss man (mindestens) drei Euro ausgeben!
  6. Mit Ihrem Privatleben dürfen die Betriebsausgaben in aller Regel nichts zu tun haben. Ausnahme: Gemischt veranlasste Kosten. Der Klassiker sind Geschäftsreisen, die mit einem Privatbesuch verbunden werden. Bei gemischten Aufwendungen müssen die Kosten nach Zeitanteil oder einem anderen Maßstab aufgeteilt werden können.
  7. Um ein Home Office steuerlich geltend zu machen, muss der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegen. Oder aber es darf kein anderes Büro vorhanden sein. Wer kein Home Office absetzen kann, darf aber trotzdem sämtliche Arbeitsmittel – vom Computer bis zum Schreibtisch – als Betriebsausgabe.
  8. Wer geschäftlich unterwegs ist, kann zahlreiche Ausgaben geltend machen – von der Fahrt über das Hotel bis hin zu den Kosten fürs Gepäckschließfach. Allerdings muss die Dienstreise exakt dokumentiert werden. Erstellen Sie am besten direkt nach jeder Reise eine separate Reisekostenabrechnung.
  9. Misten Sie Ihren Ablage-Schuhkarton und tiefe Schreibtischschubladen aus. Jeder Beleg sollte ohne langes Suchen für Dritte – etwa den Betriebsprüfer – leicht auffindbar sein. Werfen Sie das Argument „keine Zeit“ auf den Müll. Sie werden auf Dauer durch eine gute Organisation Ihrer Belege und Ihrer Ablage sehr viel Zeit gewinnen.
  10. Auf der Suche nach einem Steuerberater? Wer nicht auf Empfehlungen von Kollegen oder Bekannten zurückgreifen kann, recherchiert am besten auf den Internetseiten der Bundessteuerberaterkammer (bstbk.de) oder des Deutschen Steuerberaterverbands (www.dstv.de) nach geeigneten Beratern.